Ein Meilenstein: Pflegeplan zur Umgebung Domicil Weiermatt

Das Domicil Weiermatt hat im Herbst 2023 die naturnahe und mit Kleinstrukturen versehene Grünanlage fertiggestellt. Im November 2023 wurde nun der Pflegeplan für den Unterhalt der Umgebung des neuen Demenzzenztrums (Haus Serena) verabschiedet. Der Pflegeplan bildet eine verbindliche Leitlinie für den Unterhalt von Teilen der Grünflächen rund um das Domizil. Beteiligt waren das Domicil und die beauftragte Gartenbaufirma, die Gemeinde, die GFL Münchenbuchsee und der Natur- und Vogelschutzverein Münchenbuchsee (NVM).

Warum braucht es einen Pflegeplan?

Eine Umgebungsgestaltung ist dann wertvoll, wenn sich die Natur dabei entwickeln und entfalten kann. Die Anpflanzung, Aussaat oder Anlage von Kleinstrukturen sind also immer erst der Anfang einer Entwicklung. Damit sich die Umgebung zu einem für viele Pflanzen und Tiere wertvollen Lebensraum mit hoher Biodiversität entwickeln kann, braucht es eine gezielte und fachlich ausgeführte Pflege. Diese wird mit dem Pflegeplan gewährleistet. Der Pflegeplan ermöglicht zudem, die mit der Pflege angestrebten Entwicklungsziele periodisch zu überprüfen und falls nötig den Pflegeplan anzupassen.

Warum ist der Pflegeplan Domicil eine Meilenstein?

Dieser Pflegeplan ist in Münchenbuchsee der erste dieser Art, welcher zwischen der Gemeinde und einer Bauherrschaft vereinbart wurde. Bisher sorgte die Gemeinde – gestützt auf das Baureglement – dafür, dass bei der Gestaltung der Grünflächen v.a. einheimische Pflanzen und Bäume angepflanzt werden. Die Pflege und die Entwicklung der Grünflächen bleiben den Eigentümern überlassen. Dabei kommt es oft vor, dass danach Grünflächen pflegeleicht unterhalten und als Folge davon monoton werden. Mit dem Pflegeplan Domicil kann nun beispielhaft aufgezeigt werden, wie vielfältig gestaltete und bepflanzte Grünflächen ohne wesentlichen zusätzlichen Aufwand naturgemäss gepflegt werden können.

Wie kam es zu diesem Pflegeplan?

Dass es beim Domicil schliesslich zu einer naturnahen Umgebungsgestaltung samt Pflegeplan kam, ist der GFL zu verdanken, welche mit insgesamt 3 Einsprachen auf mehreren Planungsebenen seit 2012 (vor über 10 Jahren!) mit Nachdruck den Ersatz von überbauten Grünflächen in Zonen für öffentliche Nutzung verlangte:

  • 2012: Einsprache zum 3. Revisionspaket der Ortsplanung. Die Einsprache verlangte, dass in Zonen für öffentliche Nutzung (ZöN) bei Bebauung bzw. Verlust von wertvollen Grünflächen Ersatz geleistet werden muss. Dies betraf insbesondere die drei ZöN „Hören und Sprechen“, „Domicil“ und „Gymnasium Hofwil“.
  • 2013: Einsprache ZöN Domicil Weiermatt. Die Einsprache verlangte, dass Ersatz für verlorene wertvolle Grünfläche auf der Basis eines Inventars geleistet werden muss. Das entsprechende Inventar wurde von der Bauverwaltung (Erika Loser) 2013 erstellt.
  • 2020: Einsprache zum Bauprojekt Serena (Demenzzentrum). Die Einsprache verlangte, dass der Ersatz (geringere Grünfläche wird mit mehr Biodiversität kompensiert) auch ausgewiesen wird und ein Pflegeplan erstellt wird.

Das Beispiel Domicil zeigt, dass über 10 Jahre lang bei jedem Planungsschritt kontrolliert werden musste, ob die Einsprache-Vereinbarung umgesetzt wurde – und da dies jeweils nicht ausreichend der Fall war, waren immer wieder Einsprachen nötig. Hinter dem Pflegeplan Domicil stecken also über 10 Jahre Beschäftigung mit Planungen und Bauprojekten und 3 Einspracheverfahren, insgesamt sehr viel Aufwand, der sich aber schliesslich gelohnt hat. Dennoch: Es darf nicht sein, dass in Zukunft Massnahmen zugunsten von naturnahen Lebensräumen und Biodiversität bei jedem Bauprojekt nur mit grossem Aufwand seitens von Parteien oder Vereinen erreicht werden können.

Wie kommt man in Zukunft zu einem Pflegeplan?

Grundsätzlich muss die Bauherrschaft bereit sein, eine naturnahe Umgebungsgestaltung bei einer spezialisierten Gartenbaufirma in Auftrag zu geben und dann für den naturgemässen Unterhalt zu sorgen. Dazu ist ein Pflegeplan das geeignete Instrument. Aus diesem Grund sucht der NVM bei Vorhaben mit grösseren Grünflächen frühzeitig, d.h. vor dem Einreichen des Bauprojektes, den Kontakt zur Bauherrschaft, um die Anliegen einer naturnahen Umgebungsgestaltung in die Planung einzubringen. So können für alle Seiten aufwändige Enspracheverfahren vermieden werden. Der NVM hat dies erfolgreich bei der Überbauung Strahmhof-Strahmmatte (Bauherrschaft Firma Bonainvest) und beim Bauprojekt Gymnasiums Hofwil (Bauherrschaft Kanton Bern) gemacht, indem er seine Anliegen in die Umgebungsplanung einbringen konnte und erwirkte, dass ein Pflegeplan vorgesehen ist. Ähnlich wird der NVM auch bei weiteren grösseren Bauprojekten wie Areal Schönegg, JOWA oder Landi-Areal vorgehen.

Wo nötig, wird die GFL (immer in Zusammenarbeit mit dem NVM) weiter mit Einsprachen für eine naturnahe Umgebungsgestaltung und mehr Biodiversität im Siedlunsraum kämpfen.

Thomas Scheurer