Mitwirkung ZPP 28 Landi-Areal

Stellungnahme der GFL Buchsi im Rahmen der öffentlichen Mitwirkung zur ZPP 28 Landi-Areal

Sehr geehrte Damen und Herren

Gerne nehmen wir die Gelegenheit zur Mitwirkung betreffend die neu im Baureglement verankerte ZPP 28 Landi-Areal wahr.

Allgemeine Bemerkungen zum Erläuterungsbericht und zum Siegerprojekt

Das Siegerprojekt ist in vielen Aspekten gut durchdacht und gestaltet. Die Abstufung verschiedener Baukörper nimmt Bezug zu den Baukörpern im Quartier, auch wenn der Silo-Trakt etwas gar wuchtig und kompakt geplant ist. Wir begrüssen es, dass ein Teil der Dachflächennutzung als Begegnungsraum vorgesehen ist. Dies sollte bei künftigen Verdichtungsprojekten zur Regel werden.

Das Siegerprojekt hat aber auch deutliche Schwächen:

  • Es ist schade, dass es nicht bei der Süd-Einfahrt in die Tiefgaragen bleiben kann (mit interner Auffahrt). So wird unnötig Verkehr auf der Bahnhofstrasse und über den Bahnhofplatz sowie entlang dem geplanten Landi-Platz generiert. Neben der Tiefgarage fehlt eine Velostation mit gesicherten Abstellplätzen. Überhaupt sollte via ein Mobilitätskonzept ein Angebot für autofreie Haushalte sichergestellt werden (allenfalls zusammen mit gleicharteigen Bestrebungen für ÖV-ergänzende Mobilität am Bahnhof Buchsi).
    Anmerkung: Wurde ein gemeinsames Parkhaus SBB-Park&Ride / Landiareal auf dem Areal der SBB geprüft?
  • Das gesamte Areal ist sehr kompakt und stark nach innen gerichtet, was auch an der Lage des Areals etwas abseits des Bahnhofplatzes liegen dürfte. Im Siegerprojekt wird dieser Tatsache durch verschiedene sozial orientierte Massnahmen (allgemeine Nutzung, Landi-Garten, Landi-Platz, Dachterrasse, etc.) erfreulicherweise Rechnung getragen. Gleichzeitig könnte aber dieses «Innenleben» zusammen mit der eher geringen (räumlichen und sozialen) Vernetzung mit der Umgebung ein Eigenleben des Areals fördern (Gentrifizierung). Es ist fraglich, ob Läden und der Landi-Platz an den vorgesehenen Standorten dieses Manko wettmachen können. Allenfalls wäre eine stärkere Orientierung in Richtung Anbindung an den Bahnhofplatz prüfenswert.
  • Das aus unserer Sicht grösste Defizit besteht in der weitgehenden Versiegelung des Areals und als Folge davon der grosse Handlungsbedarf hinsichtlich Mikroklima und Wasserhaushalt – dies angesichts der zunehmenden Hitzetage und der längeren Dürreperioden. Die Tatsache, dass auch die Umgebung weitgehend versiegelt ist (Strassen, Bahn, Bahnhofplatz), verschärft diesen Handlungsbedarf an diesem Ort. Hier müsste bereits in der ZPP festgelegt werden, dass ein Minimum an gewachsenem, versickerungs-fähigem Humusboden erhalten werden muss, das Areal wenn immer möglich begrünt wird (inkl. Bäume) und dass auf undurchlässigen Untergrund aufgeschütteter Boden mindestens 80-100 cm sein muss. Zu erwähnen ist an dieser Stelle, dass die südöstlich gelegene Böschung zum Radweg botanisch sehr wertvoll ist und wenn möglich erhalten oder kompensiert werden sollte. Insbesondere sollte zudem eine teilweise Fassadenbegrünung verlangt werden (was auch der Auflockerung des grossen Silo-Baukörpers dienen wird). Damit einher geht die Forderung, Meteorwasser im Areal zurückzuhalten (Bauwerke kombiniert mit Retention) und v.a. in Hitzeperioden für die Bewässerung und als Brunnen zu nutzen (Schwammstadt).
    Weiter ist zu überlegen, ob nicht der Landi-Platz an geeigneter Stelle als kleiner, naturnaher und begehbarer Park und Grünraum gestaltet werden kann. Der nahe gelegene Pläfu zeigt, dass Plätze wie im Siegerprojekt dargestellt kaum angenommen und benutzt werden (es sei denn sie werden z.B. von einem Restaurant bewirtschaftet, wodurch aber der öffentliche Charakter verloren geht). Dass die Begrünung klimaresilient, biodivers und insektenfreundlich zu gestalten ist, versteht sich heute von selbst.
  • Das Areal beherbergt heute auf dem Silo mehrere Mobilfunk-Antennen und liegt zudem nahe an den Bahnleitungen. Dadurch ergeben sich (auch in Kombination von Bahnleitungen und Mobilfunk) erheblich Strahlungs-Immissionen. Wir erwarten, dass im Erläuterungsbericht klar Stellung zur Zukunft der Mobilfunkantennen unter der neuen Zonenordnung genommen wird: Werden diese am Ort belassen, fordern wir, weil es sich nicht mehr um eine (bei der Erst-Bewilligung massgebende) Arbeitszone handelt, eine Neubeurteilung des Standortes im Rahmen eines neuen Baugesuchs. Wenn die Antennen verlegt werden, sind davon andere Gebiete betroffen. Es sollte offengelegt werden, welche Standorte dazu in Frage kommen.

Durch entsprechend flexible bzw. zielorientierte Formulierungen in der ZPP könnten diese Schwachstellen dann in der UeO noch korrigiert werden (siehe anschliessend).

Bemerkungen zu den ZPP-Festlegungen im Baureglement

Gestaltung

  • Der Hinweis „Im Hinblick auf die UeO sind Massnahmen zur Siedlungsökologie festzulegen (vgl. Art. 310 Abs. 4 GBR).“ ist unter einem eigenen Bullet aufzuführen, der sich mit den im Landi-Areal besonderen ökologischen Herausforderungen und dem ökologischen Ausgleich (dieser gilt nicht nur bei Freiräumen und Plätzen, sondern allgemein) befasst. Denkbar wäre z.B. folgende Formulierung:
    „Im Hinblick auf die UeO sind Massnahmen zur Siedlungsökologe und zum ökologischen Ausgleich festzuglegen, insbesondere hinsichtlich Mikroklima (Beschattung, Fassadenbegrünung, Wasserstellen), Biodiversität (naturnahe Bepflanzung und Kleinstrukturen) und Wasserhaushalt (Versiegelung, Bodenschutz, Rückhalt und Verwendung von Meteorwasser).“
  • Die Lage und Qualität des Landi-Platzes sollte offener gehalten werden, z.B. «an geeigneter Stelle ist ein Quartierplatz oder naturnaher Park zu schaffen». Mit einem naturnahen kleinen Park könnte dringend benötigter Grünraum geschaffen werden.

Erschliessung

  • Es ist festzulegen, dass oberirdisch und in der Einstellhalle ausreichend Platz für Sharingangebote (Auto, Cargo, Bikes, etc.) und für sichere Veloabstellplätze geschaffen werden muss. Platz für Sharingangebote sollte dem Wohnungs-kontingent angerechnet werden (ein Platz für mehrere Wohnungen).
  • Es ist festzulegen, dass die Zufahrt zur Einstellhalle von Süden erfolgt.

Die GFL ist überzeugt, dass offensichtliche Schwächen der Planung und Bebauung des Landi-Areals durch entsprechende Anpassungen der ZPP und dann im Rahmen der UeO korrigiert werden können.

Mit freundlichen Grüssen

GFL Münchenbuchsee
Theres Gerber, Vorstandsmitglied